Credential Stuffing Attacks – Warum „Password Reuse“ ein reales Geschäftsrisiko ist

Credential Stuffing Attacks – Warum „Password Reuse“ ein reales Geschäftsrisiko ist

Credential Stuffing Attacks – Warum „Password Reuse“ ein reales Geschäftsrisiko ist

Credential Stuffing zählt heute zu den häufigsten und zugleich erfolgreichsten Angriffstechniken gegen Webanwendungen. Der Ansatz ist dabei technisch trivial, die Auswirkungen jedoch oft erheblich, sowohl aus Sicherheits- als auch aus Compliance- und Reputationssicht.

Dieser Beitrag ordnet Credential Stuffing aus technischer Perspektive ein, zeigt typische Angriffsmuster und leitet praxisnahe Gegenmaßnahmen ab.


Was ist Credential Stuffing?

Credential Stuffing beschreibt automatisierte Login-Versuche mit bereits kompromittierten Benutzername-/Passwort-Kombinationen. Diese Credentials stammen in der Regel aus früheren Datenlecks (z. B. Foren, Shops, SaaS-Plattformen) und werden systematisch gegen andere Dienste getestet.

Der Angriff basiert auf einer einfachen, aber empirisch bestätigten Annahme:
Benutzer wiederverwenden Passwörter.

Im Gegensatz zu Brute-Force-Angriffen wird hier nicht geraten, sondern validiertes Material eingesetzt. Dadurch sind die Login-Versuche deutlich effizienter und schwerer von legitimen Zugriffen zu unterscheiden.


Typischer Ablauf eines Angriffs

  1. Beschaffung von Credentials
    Leaks aus früheren Breaches, Credential Dumps oder Untergrund-Marktplätze.

  2. Aufbereitung
    Normalisierung von Formaten (E-Mail/Username, Passwort), Deduplication, Validierung.

  3. Automatisierte Login-Versuche
    Einsatz spezialisierter Tools oder Botnets, häufig mit:

    • rotierenden IPs

    • realistischen User-Agents

    • angepasstem Timing

  4. Account Takeover (ATO)
    Erfolgreiche Logins werden weiterverwertet (z. B. Weiterverkauf, Betrug, Datenexfiltration).


Warum klassische Schutzmaßnahmen oft nicht ausreichen

Viele Anwendungen verlassen sich weiterhin auf einfache Mechanismen wie:

  • statisches Rate Limiting

  • IP-basierte Blocklisten

  • CAPTCHA nach X Fehlversuchen

Diese Ansätze greifen bei Credential Stuffing nur eingeschränkt, da Angreifer:

  • Login-Versuche stark verteilen

  • geringe Fehlerraten pro IP erzeugen

  • gültige Credentials verwenden

Aus Sicht der Applikation sieht der Traffic häufig „normal“ aus.


Technische und organisatorische Risiken

Ein erfolgreicher Credential-Stuffing-Angriff kann unter anderem zu folgenden Problemen führen:

  • Accountübernahmen mit Folgeschäden (Betrug, Identitätsmissbrauch)

  • Datenschutzvorfälle gemäß DSGVO

  • Vertrauensverlust bei Kunden

  • Sekundäre Angriffe (z. B. Privilege Escalation innerhalb der Plattform)

Nicht ohne Grund taucht Credential Stuffing regelmäßig in den Top-Risiken von OWASP und anderen Sicherheitsorganisationen auf.


Effektive Gegenmaßnahmen (Defense in Depth)

Ein einzelner Schutzmechanismus ist in der Regel nicht ausreichend. Bewährt hat sich eine mehrschichtige Strategie:

1. Starke Authentifizierung

  • Multi-Factor Authentication (MFA) als Standard

  • adaptive MFA abhängig vom Risiko (IP, Device, Verhalten)

2. Anomalie- und Verhaltensanalyse

  • Erkennung ungewöhnlicher Login-Patterns

  • Korrelation über Benutzer, IPs und Zeitfenster

3. Credential Hygiene

  • Prüfung neuer Passwörter gegen bekannte Leak-Datenbanken

  • Erzwingen einzigartiger Passwörter

4. Bot-Mitigation

  • Headless-Browser-Erkennung

  • Fingerprinting (Client-seitig und server-seitig)

  • dynamische Challenges statt statischer CAPTCHAs

5. Monitoring und Incident Response

  • explizite Alarme bei Login-Anomalien

  • vorbereitete ATO-Playbooks (Account-Sperre, Reset, Nutzerinformation)


Fazit

Credential Stuffing ist kein exotischer Spezialangriff, sondern ein massenhaft eingesetztes Standardwerkzeug. Der technische Aufwand für Angreifer ist gering, der potenzielle Impact für Unternehmen hoch.

Organisationen sollten Credential Stuffing daher nicht als reines Authentifizierungsproblem betrachten, sondern als systemisches Risiko, das Architektur-, Monitoring- und Awareness-Maßnahmen erfordert.

Wer Login-Sicherheit ernst nimmt, kommt an MFA, intelligenter Erkennung und sauberem Incident Handling nicht vorbei.