
Bereits im Januar 2025 wurde eine sicherheitsrelevante Schwachstelle in der Testumgebung der „Delegierten Benutzerverwaltung (DeBeV)“ des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) durch Sicherheitsexperten der Mint Secure GmbH gefunden. In der Folge gab es Medienberichte bei netzpolitik.org und heise.de.
Im Mittelpunkt stand damals die Möglichkeit, Benutzerkonten über die „Passwort vergessen“-Funktion zu übernehmen, sofern die zugrunde liegende E-Mail-Domain extern registrierbar war. Im Februar 2026 zeigte sich nun, dass das zugrundeliegende Risiko weiterhin besteht und die Applikation weiterhin nicht mit Multi-Faktor-Authentifizierung versehen ist.
Das Vorgehen wurde auch Ende 2025 im Rahmen eines Talks auf dem 39c3 des Chaos Computer Club mit dem Titel „Verlorene Domains, offene Türen, Was alte Behördendomains verraten“ beschrieben.
Ausgangslage
In der ursprünglichen Meldung vom 28.01.2025 wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich unter den Accounts der Testumgebung auch hochprivilegierte Benutzer mit E-Mail-Adressen der Domain „bamftest.de“ befinden.
Zudem wurde empfohlen:
– Alle verwendeten Domains auf tatsächliche Kontrolle durch die Behörde zu prüfen
– Testaccounts kritisch zu validieren
– Multi-Faktor-Authentifizierung zu implementieren
– Passwort-Reset-Prozesse sicherheitstechnisch zu härten
Auch im Rahmen eines Vortrages auf dem 39c3 des Chaos Computer Club wurde explizit auf die Domain bamftest.de eingegangen.
Die Domain bamftest.de lief am 11.01.2026 aus. Nach Ablauf der Redemption Grace Period (RGP) war sie am 11.02.2026 erneut frei registrierbar. Die Domain wurde daraufhin erneut von der Mint Secure GmbH registriert, um möglichen Missbrauch vorzubeugen.

Übernahme eines Admin-Accounts
Im Anschluss wurde über die „Passwort vergessen“-Funktion der Testumgebung (benutzer.test.migra.bamf.de) ein Passwort-Reset für folgenden Account ausgelöst: admin-1@bamftest.de
Der Reset-Link wurde erfolgreich empfangen und das Passwort geändert.
Ein Login in die Testumgebung war daraufhin möglich, ohne Multi-Faktor-Authentifizierung.

Nach Klick auf den Link konnte ein neues Passwort gesetzt werden. Die Änderung des Passwortes war erfolgreich.

Durch den Zugriff konnte erneut Einsicht in die Benutzerverwaltung genommen werden (mehrere hundert Benutzer mit Vorname, Nachname, E-Mail-Adresse, Telefonnummer, etc. einsehbar):

Technische Einordnung
Der Vorfall zeigt ein strukturelles Problem in mehreren Ebenen:
1. Fehlendes Domain-Monitoring
Accounts waren weiterhin an eine Domain gebunden, die offenbar nicht dauerhaft unter Kontrolle der Organisation stand. Ein Auslaufen der Domain führte unmittelbar zu einem realen Übernahmerisiko.
2. Unveränderter Passwort-Reset-Mechanismus
Die Passwort-Zurücksetzen-Funktion ermöglichte weiterhin eine vollständige Kontoübernahme, sofern Zugriff auf die E-Mail-Adresse bestand.
3. Keine Multi-Faktor-Authentifizierung
Auch für einen administrativen Account war keine zusätzliche Authentifizierung erforderlich.
4. Fehlende Nachverfolgung früherer Hinweise
Da bereits im Januar 2025 auf genau dieses Risiko hingewiesen wurde, deutet der erneute Vorfall darauf hin, dass entweder:
- Keine vollständige Risikoanalyse erfolgte
- Empfohlene Maßnahmen nicht umgesetzt wurden
- Oder Prozesse zur nachhaltigen Behebung struktureller Schwachstellen fehlten
Risikoanalyse
Auch wenn es sich erneut um die Testumgebung handelte, sind folgende Szenarien grundsätzlich denkbar:
- Übernahme privilegierter Konten
- Einsichtnahme in Benutzer- und Verwaltungsdaten
- Manipulation von Rollen und Berechtigungen
- Vorbereitung weiterführender Angriffe
- Reputations- und Vertrauensschäden
Besonders kritisch: Es handelte sich um einen administrativen Account.
Lessons Learned
Dieser Vorfall unterstreicht ein häufig unterschätztes Risiko im Bereich IT-Sicherheit:
Mint Secure GmbH
Testumgebungen werden organisatorisch häufig weniger streng behandelt als Produktivsysteme. Sobald jedoch reale Identitäten, Rollenmodelle oder administrative Konten existieren, gelten faktisch dieselben Sicherheitsanforderungen.
Insbesondere Domain-Ownership ist ein oft übersehener Angriffsvektor. Abgelaufene Domains können zu vollständigen Accountübernahmen führen, selbst ohne technische Exploits im klassischen Sinne.
Timeline
– 11.01.2026, Auslaufen der Domain „bamftest.de“ und Beginn der 30-tägigen RGP
– 11.02.2026, 06:55 – Registrierung der Domain „bamftest.de“
– 11.02.2026, ca. 18:30 – „Passwort vergessen“-Funktion für admin-1@bamftest.de genutzt (unter: benutzer.test.migra.bamf.de) und Link erhalten
– 12.02.2026, ca. 05:23 – Nutzung des Reset-Links und Login mit dem Account admin-1@bamftest.de unter benutzer.test.migra.bamf.de
– 12.02.2026, ca. 05:36 – Logout aus dem Account admin-1@bamftest.de
– 12.02.2026, ca. 06:15 – Meldung via E-Mail an den behördlichen Datenschutzbeauftragten, Security@ und CERT-BUND
– 12.02.2026, 11:06 – das BAMF hat den Account deaktiviert
– 12.02.2026, 13:12 – das BAMF bedankt sich via E-Mail und bittet um Domain-Transfer
– 13.02.2026, mittags – Auth-Code zur Domain bamftest.de wird bereitgestellt und Transfer erfolgreich
Wie Mint Secure euch dabei unterstützt
Ein wirksames Vulnerability-Management endet nicht mit der Kenntnisnahme eines Hinweises, sondern erst mit nachweislich implementierten und überprüften Gegenmaßnahmen.
Vulnerability Management
Wir identifizieren Schwachstellen wie ungenutzte oder auslaufende Domains und begleiten die nachweisliche Behebung, statt nur einmalig zu melden.
Security Beratung
Wir unterstützen beim Aufbau von Prozessen, damit Hinweise aus früheren Meldungen nachhaltig umgesetzt werden.
Penetration Testing
Wir prüfen Passwort-Reset-Mechanismen, MFA-Abdeckung und Testumgebungen auf reale Angriffspfade.
Betreibt ihr Test- oder Legacy-Umgebungen mit echten Identitäten?
Wir prüfen, ob Domains, Zugänge und Prozesse noch unter eurer Kontrolle stehen.
Fazit
Der erneute Vorfall verdeutlicht, wie wichtig nachhaltige Maßnahmen nach Sicherheitsmeldungen sind.
Technische Schwachstellen lassen sich kurzfristig schließen, organisatorische Schwächen erfordern hingegen strukturelle Prozesse. Im vorliegenden Fall sollte das BAMF zeitnah reagieren und eine kontinuierliche Verbesserung anstreben.
Mint Secure unterstützt Organisationen dabei, aus einer einmaligen Meldung nachhaltig wirksame Gegenmaßnahmen zu machen.

