Home » Lerne Hacken – aber für die gute Seite: Unterwegs auf den Demokratietagen in Wismar und Halle
Kategorie
Security Kultur
Thema
Hacking & Demokratie
Zielgruppe
Öffentlichkeit & Schulen
Lesezeit
ca. 7 Minuten
Ende August waren wir mit Mint Secure an zwei Tagen und in zwei Bundesländern unterwegs: am 26. August im Theater der Hansestadt Wismar und am 27. August im Salinenmuseum in Halle (Saale). Anlass waren die Demokratietage unter dem Motto „Meine Stimme zählt! Demokratie erleben, gestalten und feiern!“ – ein Format, das von Schüler:innen für Schüler:innen gedacht ist und gemeinsam vom Lehrstuhl für Sozialethik der Universität Bonn, der Bundesschüler*innenkonferenz und der Bildungsinitiative GermanDream organisiert wurde.
Der Zeitpunkt war kein Zufall. In Mecklenburg-Vorpommern wird am 20. September 2026 ein neuer Landtag gewählt, in Sachsen-Anhalt war es am 6. September bereits so weit. Viele der Jugendlichen, die an diesen beiden Tagen im Publikum saßen, dürfen zum ersten Mal wählen – oder stehen kurz davor. Genau in dieses Zeitfenster hinein ein Format zu setzen, das Demokratie nicht erklärt, sondern erfahrbar macht, fanden wir schon vor der Zusage überzeugend. Nach den beiden Tagen erst recht.
Felix und Tim aus unserem Team haben an beiden Standorten den Workshop „Lerne Hacken! Aber für die gute Seite“ gehalten – jeweils für eine Gruppe aus den Jahrgangsstufen 10 und 11, rund 90 Minuten lang, mit deutlich mehr Live-Demo als Folienvortrag.
Angefangen haben wir mit einer Frage, auf die es überraschend viele Antworten gibt: Was ist Hacking eigentlich? Das Bild, das die meisten mitbringen, kommt aus Filmen und Nachrichten – Kapuzenpulli, dunkler Raum, Kriminalität. Dabei ist der Kern des Begriffs ein ganz anderer. Ein „Hack“ ist zunächst ein technischer Kniff. Hacking ist der kreative, schöpferische Umgang mit Technik: eine Funktionserweiterung, eine Problemlösung, oder schlicht ein Ziel, das auf ungewöhnlichem Weg erreicht wird. Dass es neben schadhaften Motiven eben auch ethisches Hacking gibt – und dass das ein eigener Beruf ist – war für einen Teil der Gruppen neu.
Hacking ist der kreative, schöpferische Umgang mit Technik: eine Funktionserweiterung, eine Problemlösung, oder schlicht ein Ziel, das auf ungewöhnlichem Weg erreicht wird.
Bevor es technisch wurde, haben wir über die Hackerethik gesprochen, wie sie beispielsweise der Chaos Computer Club formuliert hat. Ein paar der Punkte haben in den Diskussionen besonders gezündet:
Und wir haben deutlich gemacht, was rechtlich gilt: Alles, was wir zeigen, ist für Lern- und Lehrzwecke gegen eigene Systeme gedacht. Unbefugte Nutzung kann eine Straftat sein (wie wir selbst schon öfter gemerkt haben). Aus großer Macht folgt große Verantwortung – abgedroschen, aber in diesem Kontext einfach richtig.
Danach ging es an die Technik. Zuerst der Aufbau einer Webanwendung – Client, Frontend, Backend, Datenbank – als gemeinsames Modell, auf das wir später immer wieder zurückkommen konnten. Dann die Frage: Wie greift man eine Website eigentlich an? Informationen sammeln, Angriff starten. Als Spielwiese diente unser eigener, absichtlich verwundbarer Webshop im Hack-Lab, den die Gruppen zunächst selbst erkunden durften. Die Ideen, die dabei aus dem Publikum kamen, waren an beiden Tagen erstaunlich gut.
Inhaltlich haben wir uns dann durch die Klassiker gearbeitet:
Zum Schluss ein Ausblick auf das, was wir in 90 Minuten nicht mehr schaffen konnten: SQL-Injection, SSRF, Broken Access Control, CSRF, Clickjacking, Path Traversal – plus Hinweise, wo man selbst legal weiterüben kann. Ein paar Jugendliche sind danach noch geblieben und wollten wissen, wie man in diesem Feld eigentlich beruflich landet. Solche Gespräche sind für uns der eigentliche Ertrag eines Workshops und wir sind dankbar unser Wissen in diesem Rahmen weiterzugeben.
Ein Abschnitt des Workshops war bewusst kein Technikteil, sondern die Frage: Was hat Hacking mit Demokratie zu tun?
Die Antwort beginnt mit einer nüchternen Feststellung: Unsere Demokratie läuft auf Software. Verwaltung, Gesundheitsversorgung, Stromnetze, Züge, soziale Medien, Wahlen – überall stecken Systeme, die jemand geschrieben hat und die jemand angreifen kann. Wer diese Systeme nicht versteht, kann auch nicht beurteilen, ob sie vertrauenswürdig sind. IT-Sicherheit ist damit keine Spezialdisziplin am Rand, sondern eine Voraussetzung dafür, dass demokratische Prozesse überhaupt funktionieren.
Wir finden unbekannte Schwachstellen und melden sie verantwortungsvoll, bevor sie Schaden anrichten.
Wir machen Angriffe sichtbar und erklären sie verständlich, von der Schulklasse bis zur Fachkonferenz.
Wir prüfen Systeme aus der Angreiferperspektive, damit Lücken geschlossen werden, solange noch Zeit ist.
Wir stärken Organisationen und Menschen dabei, digitale Risiken selbst zu erkennen.
Ihr plant eine Veranstaltung? Wir gestalten Live Hackings, Vorträge und Workshops für Schulen, Unternehmen und Konferenzen. Jetzt Kontakt aufnehmen.
Nicht glauben, was das System behauptet, sondern selbst nachprüfen. Diese Haltung schützt Computer und Demokratie gleichermaßen.
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